Spieleautoren-Stipendium 2016/17

Praktikumsbericht Teil 2: Deutsches Spielearchiv

Von Marco Kujat

Eine Station des Spielautorenstipendiums führte mich ins Deutsche Spielearchiv nach Nürnberg. Dabei wurde ich von Christin Lumme und Torsten Lehmann im Empfang genommen und betreut. Mein Besuch in Nürnberg fiel dabei mit der Blauen Nacht zusammen. Dabei handelt es sich um eine Kulturveranstaltung, bei der die Museen der Stadt offen stehen und die Besucher mit besonderen Programmpunkten und Kunstinstallationen empfangen werden. Dabei darf natürlich auch das Deutsche Spielearchiv nicht fehlen - und so hatte ich die Möglichkeit, selbst zum Programmpunkt der Blauen Nacht zu werden.

Nach meiner Ankunft bekam ich zunächst jedoch eine Führung durch die Räumlichkeiten des alten Pellerhauses, in denen sich das Archiv befindet. Man betritt die Räumlichkeiten durch eine großes Foyer, in dem einige Spiele schön säuberlich in Vitrinen präsentiert werden. In den eigentlichen Arbeitsräumen des Archivs bietet sich dann ein anderer Anblick. In den Regalen und auf den Schreibtischen stapeln sich Spiele, die noch archiviert werden sollen. Man hat schnell den Eindruck, dass es eine große Herausforderung ist, der Flut an Spielen Herr zu werden. Das bestätigt Torsten mir schnell und ich erfahre, dass längst nicht jede Veröffentlichung in den Bestand aufgenommen werden kann. Unter anderem die Fülle an Neuauflagen und Lizenzausgaben von bereits veröffentlichten Spielen macht das unmöglich.
Neben den Arbeitsräumen befindet sich auch ein großer Spielsaal in dem Gebäude, der von einigen Regalen mit spielbaren Exemplaren diverser Spiele eingerahmt wird. Dieser Saal wird bei den zahlreichen Veranstaltungen wie z.B. bei den Spielenachmittagen für Familien des Spielearchivs genutzt. Die eigentlichen „heiligen Hallen“ des Spielearchivs sind jedoch natürlich die Archivräume, in denen die Sammlung aufbewahrt wird. Ursprünglich aus einer privaten Sammlung von Bernward Thole hervorgegangen, findet sich heute noch eine thematische Ordnung der Spiele in den Regalen. Dabei erzählt jeder Gang eine eigene spannende Geschichte, wenn man beispielsweise die Geschichte und Entwicklung der Sportspiele direkt nebeneinander aufgereiht vor sich sieht. Wenn man die nötige Zeit mitbringt, kann man sich hier wahrscheinlich wochenlang verbarrikadieren und wird immer wieder spannende Spiele entdecken, die man unbedingt mal gespielt haben möchte. Aber nicht nur die Spiele selbst werden in Nürnberg archiviert. Auch Fachliteratur zum Thema Spiele findet hier ihren Platz. Gerade für die Arbeit als Spieleautor ist das besonders spannend und so hab ich die Gelegenheit ergriffen und mich hier ausgiebig niedergelassen und Bücher durchstöbert. Auch hier hätte ich mich sicher sehr lange zurückziehen können und würde es jedem Interessierten empfehlen mal einen Termin zum Stöbern zu machen, wenn er nach Nürnberg kommt.

Mein persönliches Highlight in dem Bestand des Archivs wird jedoch in einem anderen Raum präsentiert. Und zwar bewahrt das Deutsche Spielearchiv den Nachlass des Spieleerfinders Alex Randolph auf. Viele seiner Prototypen werden dazu in einem gesonderten Schaudepot ausgestellt. Die ausgearbeiteten Spielbretter und -figuren, die dabei nicht selten extra aufwendig gedrechselt wurden, verschaffen einem schnell den Eindruck von einer besonderen Liebe zum Erfinden von Spielen.

Nach der Führung stand meine Zeit in Nürnberg ganz im Zeichen der Blauen Nacht. Das Motto der diesjährigen Ausgabe lautete „Odyssee“. Ein Motto, dass sowohl für die Tätigkeit als Spieleautor, als auch als Thema für eine große Fülle von Spielen sehr passend erschien. Und so wurde im Archiv eine Auswahl an Spielen zusammengestellt, die am Abend der Blauen Nacht besonders präsentiert werden sollten. Die Vitrinen im Foyer wurden mit thematisch passenden Spielen befüllt und einige Tische wurden aufgestellt und mit spielbaren Exemplaren ausgestattet. Das Pellerhaus besitzt außerdem ein altes Gewölbe, das an diesem Abend genutzt wurde, um die Besucher unter der Leitung zweier Schauspieler in die Welt des Spiels „Die Werwölfe von Düsterwald“ eintauchen zu lassen.
Ich selbst bekam einen eigenen Tisch im Foyer, den ich einerseits dazu nutzen konnte, meine eigenen Prototypen von den Besuchern testen zu lassen, andererseits um von meiner bisherigen Tätigkeit als Spieleautor zu berichten. Daraus hat sich ein schöner Abend mit vielen spannenden Spielrunden und Gesprächen ergeben. Durch die Zeit im Nürnberg hat sich mir ein neuer Blickwinkel von kultureller Seite auf das Thema Brettspiel eröffnet.
Vielen Dank an die Besucher der Blauen Nacht, die sich an meine Prototypen gewagt haben und natürlich an Tina und Torsten für die Möglichkeit einen Blick in das Deutsche Spielearchiv zu werfen!

 

Teil 1: Praktikum bei Spieleautor Jens-Peter Schliemann
Teil 3: Praktikum beim Ravensburger Spieleverlag
Teil 4: Praktikum in der Spieleburg Göttingen