Spieleautoren-Stipendium 2016/17

Praktikumsbericht Teil 3: Ravensburger Spieleverlag

Von Marco Kujat

Ein Teil des Spieleautorenstipendiums sollte mir die Möglichkeit bieten, die Spielebranche von Verlagsseite aus betrachten zu können. Dazu durfte ich eine Woche lang ein Praktikum beim Ravensburger Spieleverlag machen. Betreut wurde ich in dieser Woche in der Redaktion für Gesellschaftsspiele von André Maack, den ich bereits beim Spieleautorentag in Göttingen kennenlernen durfte. 

Als ich am ersten Tag in die Redaktion kam, wurde ich sehr nett empfangen und konnte in der Teambesprechung der Redaktion zu Wochenbeginn direkt einen Eindruck davon bekommen, womit sich die Redakteure zur Zeit befassen und wie die Woche für mich ablaufen wird. 

Meine erste Tätigkeit war daraufhin ein Spieletest. Die zu testenden Spiele werden dabei immer von einem Redakteur vorbereitet und anschließend gemeinsam in der Redaktion getestet. Nach der Testrunde wird ein Testblatt ausgefüllt, auf dem die Eindrücke und Bewertungen jedes Mitspielers festgehalten werden, um einen erste Eindruck davon zu bekommen, ob ein Spiel ein Kandidat für eine Veröffentlichung bei Ravensburger sein kann. Während es sich bei meinem ersten Test um ein Spiel handelte, welches zum ersten Mal in der Redaktion gespielt wurde und somit der Gesamteindruck im Vordergrund stand, durfte ich anschließend an einer Testrunde der Redaktion für Kinderspiele teilnehmen, bei der kleinere Änderungen an einer Spielmechanik getestet werden sollten. Für den nächsten Tag, bekam ich außerdem noch den Auftrag selbst ein Spiel vorzubereiten und die Regeln zu studieren.

Aber natürlich wird in der Redaktion nicht nur gespielt. So ging es weiter mit dem Überprüfen eines Entwurfs für den Druck eines Spielkartons. Dabei musste die Farbgebung, die Anordnung von Symbolen und jedes kleinste Detail genau überprüft werden, da mit der endgültigen Freigabe zum Druck eine Fehlerkorrektur nicht mehr möglich ist.

Eine andere Aufgabe bestand darin, einen Spielplan eines Prototypen von Form und Größe so anzupassen, dass Größe und Format in das mögliche Stanzformat passen. Dazu durfte ich den Spielplan ausdrucken und in seine Einzelteile zerlegen, damit durch eine andere Anordnung von Symbol- und Punkteleisten sowie des eigentlichen Spielfeldes die Formatvorgaben eingehalten werden können.

Am zweiten Tag wurde mir zunächst der Stauraum der Redaktion gezeigt, in dem große Mengen von Spielmaterialien gelagert wurden, die bei der Erstellung und Bearbeitung von Prototypen hilfreich sein können. Da diese Teile gerade als Spieleautor immer wieder in großen Mengen gebraucht werden, habe ich mich besonders darüber gefreut, mir hier am Ende der Woche einen Karton zusammenstellen zu können, den ich mit nach Hause nehmen durfte. In der Redaktion haben wir unter anderem das von mir vorbereitete Spiel getestet und Karten beklebt für einen veränderten Prototypen eines anderen Spiels. Außerdem wurden die Wünsche für einen Vertrag mit einem Autor bearbeitet. Dabei war es spannend zu erfahren, welche Wege einzelne Änderungen in Vertragsentwürfen im Unternehmen gehen müssen, da die Redakteure hier neben Verhandlungspartnern auch Boten zwischen der Rechtsabteilung und den Autoren sind.

Außerdem hat André für mich ein Einführungsgespräch mit Anne Lenzen aus der Kinderspielredaktion über deren Arbeit und die Besonderheiten und Unterschiede zu der Redaktion für Gesellschaftsspiele arrangiert. Dabei haben wir Kinderspiele aus dem aktuellen Programm angespielt und Anne hat Anekdoten aus der redaktionellen Entstehungsgeschichte der Spiele erzählt. Ein Punkt der bei Kinderspielen besonders wichtig ist, ist dabei die Materialbeschaffenheit. Während erste Prototypen noch aus Alltagsgegenständen gebastelt wurden, war es bei der Ausarbeitung eine besondere Herausforderung die Funktionalität mit den Sicherheitsstandards von Ravensburger in einer professionell ausgearbeiteten Version vereinbaren zu können. Da die unternehmenseigenen Standards die rechtlich vorgeschriebenen deutlich übertreffen, hat die Abteilung der technischen Produktentwicklung hier häufig Mammutaufgaben zu erledigen.

Am Mittwoch stand neben einem weiteren Spieletest und Bastelarbeiten für andere Prototypen für mich ein Besuch im unternehmenseigenen Archiv an. Die Entwicklung der Spiele von Ravensburger so gesammelt zu sehen, vermittelt einem dabei das Gefühl ein gutes Stück Zeitgeschichte vor sich zu sehen. Von dem ersten von Ravensburger veröffentlichen Spiel „Reise um die Erde“ aus dem Jahr 1884 bis zum aktuellen Programm, ist hier beinahe alles zu finden.

Anschließend hatte ich die Möglichkeit einen meiner eigenen mitgebrachten Prototypen in der Redaktion vorzustellen und eine Testrunde mit vollständigem Feedback spielen lassen zu können.
Durch einen frühen Feierabend hatte ich auch die Zeit mir die schöne Stadt und die Umgebung anzuschauen und bei bestem Wetter zu genießen. Natürlich nicht, ohne dass André mir einige Tipps mitgegeben hat, wo sich ein Besuch besonders lohnt.

 

Der Donnerstag begann für mich mit einem kurzen Einlesen in die Spielthematik eines Spiels, für das noch ein Titel gefunden werden musste. Nachdem ich mir einen Eindruck verschaffen hatte, starteten wir ein Brainstorming, um einen geeigneten Namen zu finden. Dabei wurden mehrere Zettel vorbereitet, auf denen zu Beginn jeder aus der Runde Vorschläge notieren konnte. Daraufhin wurden die Zettel in die Mitte gelegt und jeder nahm sich nach und nach weitere Zettel, um sich von den Ideen der anderen inspirieren zu lassen und neue Vorschläge zu Ergänzen. Als alle Zettel vollständig ausgefüllt waren, hat jeder für sich notiert, welche Vorschläge er für geeignet hält. Am Ende wurden die Vorschläge mit den meisten Stimmen gesammelt und den Autoren zur Bewertung und als weitere Inspirationsquelle geschickt.
Ein weiterer Programmpunkt war dann der Test zweier Prototypen durch die Juniorenfirma. Dabei handelt es sich um ein Unternehmen im Unternehmen, welches von den Auszubildenden selbstständig geführt wird. Ein Aufgabenbereich der Juniorenfirma ist dabei neben der Erstellung eigener neuer Produkte, die intern produziert werden können, auch das Zurverfügungstellen von Dienstleistungen für andere Unternehmensbereiche, wie in diesem Fall für die Redaktion für Gesellschaftsspiele. Da unter den Testspielern so nicht mehr nur professionelle Spieleredakteure sitzen, sondern auch Auszubildende aus anderen Bereichen des Unternehmens wie der Fertigung, erlauben einem diese Testrunden einen anderen Blickwinkel auf die zu testenden Spiele.

Am letzten Tag meiner Woche in Ravensburg stand neben weiteren Bastel- und Testarbeiten eine Führung durch die Abteilung für die technische Produktentwicklung an. Hier vervollständigte sich für mich der Eindruck davon, wie viel Arbeit in einem fertigen Produkt liegt, die für mich als Autor im Normalfall verborgen geblieben wäre.
Bei dem abschließenden Teamgespräch schloss sich der Kreis der Woche und jeder Redakteur konnte sein persönliches Fazit zu der Woche ziehen und auch Kritik üben, wenn ihm in dieser Woche irgendwelche Abläufe nicht gefallen haben. Mein persönliches Fazit fiel dabei durchweg positiv aus. Ich habe viele Einblicke in die Abläufe der Verlagsarbeit und auch in die Anforderungen bekommen, die an potentielle Spiele von Ravensburger gestellt werden. Das wird mir in meiner weiteren Tätigkeit als Spieleautor mit Sicherheit eine Hilfe sein. 

Vielen Dank an André Maack und die gesamte Redaktion!

 

 

Teil 1: Praktikum bei Spieleautor Jens-Peter Schliemann
Teil 2: Praktikum im Deutschen Spielearchiv
Teil 4: Praktikum in der Spieleburg Göttingen